Wie wichtig ist Erinnerungsarbeit in der Therapie? |

Therapie hat die Aufgabe, genau diese Erinnerungsarbeit zu leisten. Das deutsche Wort "erinnern" trifft diesen Vorgang sehr präzise, nämlich: etwas ganz und bewusst in sein Inneres hineinnehmen. In diesem Sinne ist Erinnerungsarbeit die Aufgabe von Therapie. 

Häufig wird "erinnern" jedoch dahingehend missverstanden, dass Therapeuten meinen, sie müssten alles aufdecken, jeden Stein umdrehen und genau herausfinden, was im eigenen Leben oder, beim Familienstellen, im Leben des Vaters, der Mutter und der Großeltern war … Das Bedürfnis, alles aufzudecken, gehört zum Jugendbewusstsein.

Wilfried Nelles in "Die Sehnsucht des Lebens nach sich selbst",Innenwelt Verlag, S. 55/56.

Dem will ich nur hinzufügen, dass auch Klienten oft der Ansicht sind, sie könnten sich nur befreien, wenn sie alles wissen würden. Auch das ist Teil einer gesunden Autonomieentwicklung: Genau zu spüren, was für einen selbst wichtig ist, herauszufinden, und sich selbst vor Informationen und Schicksalen zu schützen, die einen nur wieder verstricken würden.

Zurück