Wie perfekt ist Gott? |

"Als Kind wurde ich oft von meinem Vater verprügelt", antwortet der Schriftsteller Andreas Steinhöfel dem evangelischen Monatsmagazin chrismon auf die Frage, ob er eine Vorstellung von Gott habe. "Lag ich abends in meinem Bett, habe ich mich gefragt, warum der liebe Gott nicht eingegriffen hat." Der mehrfach preisgekrönte Autor tat das Naheliegende, er erzählte es einem Pfarrer. Aber der reagierte anders, als erhofft, indem er sagte: "Der Herr wird schon seine Pläne mit dir haben. Das musst du halt durchstehen. Später im Paradies wird dir die Belohnung reichlich zuteil." Diese Erfahrung prägte Steinhöfels Gottesbild: "Ich scheitere bis heute an der Frage: Warum sollte eine schöpferische Intelligenz auf die Idee kommen, so was Beklopptes wie uns Menschen auf diesen Planeten zu setzen …"

Jesus predigte Nächstenliebe. Der Gottesvertreter aber verbündete sich mit dem Täter. Anstatt das Jugendamt zu den Steinhöfels nach Hause zu schicken oder zumindest dem Vater die Leviten zu lesen, redete er dem verzweifelten Kind auch noch ein, dass Prügel Gott gewollt sind. Welch eine Verdrehung!

Das gesamte Interview finden Sie hier.

PS: Mein Lieblingswerk von Steinhöfel ist übrigens nicht "Die Mitte der Welt", sondern sein Kinderbuch "Rico, Oskar und die Tieferschatten", in dem er einem sogenannten minderbegabten Jungen eine einzigartige und teilweise herzzerreißende Stimme gibt. Dieses Buch enthält übrigens eine der besten Defintionen von Depression.

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