Krebs: König der Krankheiten |

Dieses 670 Seiten umfassende Werk hat nicht umsonst den Pulitzer Preis gewonnen. Obwohl es ein Sachbuch sein soll, ist es so herausragend geschrieben, dass fast jede Seite ein sprachlicher Genuss für Wortgourmets ist. Inhaltlich staunt man nicht schlecht, wenn ein Onkologe schreibt, dass die Geschichte des Krebs von Chaos regiert wird und hauptsächlich auf sinnfreiem Ausprobieren verschiedenster Gifte basiert. Was unter dem Titel Krebs subsummierte wird, sind in Wahrheit sehr unterscheidliche Symptomenkomplexe, die gar nichts miteinander zu tun haben und auch völlig unterschiedlicher Behandlung bedürfen. Erst nach etwa einem Drittel des Buches fragt Mukherjee nach den Ursachen von Krebs. Man kennt sie bis heute nicht. Das Buch endet mit seinen Recherchen etwa 2009, als die ersten genetischen Veränderungen gesichert galten. Wenig zuversichtlich schließt der Autor mit den Worten: "Künftige Ärzte werden vielleicht darüber lachen, wie wir heute gegen die elementarste und gewaltigste Krankheit, die unsere Spezies kennt, primitive Giftcocktails mischen. Doch der Kampf als solcher wird weitgehend der gleiche bleiben …"

Interessant vielleicht nicht nur für Traumatherapeuten zum einen die Kriegsmetaphorik "im Kampf" gegen diese "Krankheit". Zum anderen, dass die genetischen Veränderungen als fehlende oder falsche Kommunikation zwischen Chromosomen verstanden wird. Da denkt man doch gleich an Persönlichkeitsanteile, denen es bisher nicht möglich war, gesund miteinander in Verbindung zu stehen.

Siddhartha Mukherjee, Der König aller Krankheiten: Krebs - eine Biografie, Dumont, 2012.

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