Kindertrauma in der Türkei |

Ein zauberhaft verstörender Film über die Kindheit eines kleinen Jungen in der Nordosttürkei. Während sich so mancher Zuschauer in diese Natur hineinsehnt und die Protagonisten um ihr unverstelltes Leben beneiden mag (allein das Wohnzimmer möchte man sofort sein eigen nennen), quält den kleinen Jusuf die stete Angst um den kranken Vater. So sehr, dass er darüber im wahrsten Sinne des Wortes nicht mal sprechen kann. Er stottert allenfalls.

Sehr schön zu sehen, welche Verhaltensweisen Kinder entwickeln, um ihre Not der verlorenen Bindung nicht spüren zu müssen: Ziemlich am Ende des Films, als die Mutter aufgrund tiefer Trauer für Jusuf emotional nicht erreichbar ist, trinkt er sogar die verhasste Milch aus, in der Hoffnung, gesehen zu werden. Diese kleine Episode ist ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie der chronische Mangelzustand "fehlende Beachtung" im Erwachsenen zum Lechzen nach "Anerkennung" führen kann (Leistung, Karriere, Reichtum …).

Dieser preisgekrönte Film ist aber auch für alle ein verstörend süßer Hochgenuss, die sich nicht um Trauma scheren - nun für 7 Tage auf ARTE+7: Bal

Foto © ARTE.tv

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