Drogen machen nicht süchtig |

Wenn es allein an der Chemie läge, die Menschen drogensüchtig macht, warum kann man dann spielsüchtig werden, obwohl da keine Chemie im Spiel ist? Eine scheinbar harmlose Frage führt den mehrfach ausgezeichneten Journalisten Johann Hari auf Entdeckungsreise. Forschungen an Ratten legen nahe, dass mangelnde soziale Bindungen der Grund dafür ist, warum Lebewesen zu Drogen greifen, lieber an Drogen zugrundegehen als Einsamkeit zu spüren. Diese Schlussfolgerung erklärt auch, warum Menschen, die z.B. aufgrund einer schweren Operation unter Drogen gesetzt wurden, später nicht drogensüchtig werden. Vorausgesetzt sie kehren in intakte Familien zurück. 

Und so zeigt es sich auch in der Therapie: Drogen helfen, Bindungslosigkeit nicht spüren zu müssen. Aber es ist nicht nur Bindungslosigkeit, die schmerzt, sondern auch wenn Bindungen traumatisiert werden. Kinder, die von Eltern geschlagen und sexuell oder emotional missbraucht werden, können das unmöglich aushalten. Das geht nur durch Spaltung. Abspaltung der emotionalen Inhalte: Verrat, abgrundtiefe Einsamkeit, Verlassenheitsgefühle, Angst, Todesangst, Hass … Wenn von den Menschen, von denen man LIebe braucht, Gewalt kommt, helfen Drogen diese Realität auszublenden.

Das Fazit des Autors kann ich nur unterstützen: "Das Gegenteil von Abhängigkeit ist nicht Nüchternheit, sondern gesunde Bindungen an Menschen."

Der Artikel exisitiert bisher leider nur in englischer Sprache und ist nachzulesen in der Huffington Post vom 20.1.2015: "The Likely Cause of Addiction Has Been Discovered, and It Is Not What You Think"

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