Ängste können vererbt werden |

Das Leben vieler Kinder in den 50er und 60er Jahren war geprägt von den verdrängten und verleugneten Ängsten der Erwachsenen. Eltern und Großeltern standen nach dem Krieg mit gravierenden Problemen da. In fast allen Familien gab es Gefallene zu beklagen, überall sah man Flüchtlinge und Kriegsinvaliden. Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kannte man damals noch nicht. Die jungen Männer, die zum Teil direkt aus der Schule an die Front mussten, waren als Gezeichnete aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt. Von den älteren Männern hatten einige sogar zwei Kriege erlebt. Sie waren verändert, schwierig, manchmal verbittert, unberechenbar oder jähzornig und konnten über ihre Erlebnisse meist nicht sprechen. Aber auch die Frauen hatten Schreckliches erlebt: den Verlust geliebter Menschen, Todesangst, Bombardierung, Vertreibung, Vergewaltigung,

schreibt Beate Felten-Leidel in ihrem Bericht der Selbstentdeckung. Angst galt auch in der Nachkriegszeit noch als Schwäche, wurde verachtet und gleichgesetzt mit Feigheit und Versagen. Kein Wunder, dass man sie weder zeigen noch haben wollte. In leicht nachvollziehbaren Erklärungen zeigt Felten-Leidel auf, wie Kindern von „emotionalen“ Kriegsversehrten gar nichts anderes übrig blieb, als die Gefühle ihrer Eltern zu „übernehmen“. Unbewusst natürlich. Und sie schildert sehr anschaulich, welche Folgen sie persönlich davon getragen hat. Das Ganze ist eine Zusammenfassung ihres Buches: Hasenherz und Sorgenketten. Mein Leben mit der Angst, Balance Verlag, 2012.

Zu den darin genannten „Lösungsvorschlägen“ gibt es sicherlich Alternativen, aber die Geschichte animiert erstmal zur Selbstanalyse. Und das ist bekanntlich der erste Schritt zur Heilung. Der Artikel "Im Schatten fremder Ängste" erschienen in DAZ, Nr. 62, 2013 zu bestellen hier.

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