Das Wichtigste im Leben |

Was macht ein gutes Leben aus? Robert Waldinger stellt in einem TED Talk die soeben veröffentlichte Studie vor, in der 724 männliche Amerikaner 75 Jahre lang zu ihren Lebensumständen befragt wurden. 60 von ihnen sind heute noch am Leben. Die Ergebnisse erstaunen nicht, aber sie bestätigen, was für Bindungsforscher und Traumatherapeuten schon lange selbstverständlich ist: Je mehr Bindungen, desto gesünder ist und bleibt der Mensch, physisch sowie psychisch. Er hat weniger Schmerzen, ein besseres Gedächtnis, wird mit den Herausforderungen des Alltags besser fertig. ABER: Es hängt auch und vor allem davon ab, welche Qualität diese Bindungen haben. 75.000 Freunde in Sozialen Medien sind nicht so viel Wert wie ein guter Freund, auf den man in der Not zählen kann.

Schade nur, dass Waldinger am Ende nicht mehr bereit hält als ein paar Ratschläge dazu, dass man lieber Freundschaften pflegen sollte als am PC zu sitzen. Meines Erachtens wäre es sinnvoller gewesen darauf hinzuweisen, dass gesunde Beziehungen im Außen bei gesunden Beziehungen zu sich selbst ihren Anfang nehmen, ja, dass das erstere ohne die zweitere nicht möglich ist. Und dann müsste man natürlich noch herausfinden, wie wir in guten Kontakt mit uns selbst gelangen? Vor allem, wenn ein Mensch schon früh im Leben so schädigende Erfahrungen gemacht hat, dass er später jede Form der Beziehung als beängstigend empfindet. Dieser Mensch zieht sich zurück, ob er es woll oder nicht. Da helfen deratige Ratschäge wenig.

Aber Waldinger ist entschuldigt; er ist Forscher und kein Therapeut. Sein 12-Minuten-Vortrag lohnt sich trotzdem. 

What Makes a Good Life? Lessons from the Longest Study on Happiness, Robert Waldinger, TED Talks

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